Junger Igel schläft eingerollt in seinem Nest zu Beginn des Winterschlafs

Igel im Winterschlaf: wann er beginnt und wie Du ihn im Garten schützt

Igel gehen meist im November in den Winterschlaf und wachen je nach Region und Witterung zwischen Ende März und Mitte April wieder auf. Zuerst ziehen sich die Männchen zurück, dann die Weibchen und zuletzt die Jungtiere des Jahres. Im Garten schützt Du einen Igel im Winterschlaf vor allem, indem Du ihm ungestörte Verstecke lässt: Laubhaufen, Reisig und dichte Hecken, die Du von Herbst bis Frühjahr nicht anrührst.

Rund um den Igel-Winterschlaf kursieren viele Halbwahrheiten. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen und zeigen Dir, was Du im Garten konkret tun kannst und was Du besser lässt.

Wann beginnt der Winterschlaf?

Einen festen Stichtag gibt es nicht. Das Igelzentrum Zürich nennt als Zeitraum je nach Region und Klima November bis Ende März oder Mitte April. Ausgelöst wird der Rückzug durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Die Futtertiere werden knapp, die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger, und im Körper des Igels stellt sich der Hormonhaushalt um.

In welcher Reihenfolge ziehen sich Igel zurück?

GruppeBeginnGrund
Männchenzuerstkönnen nach der Paarungszeit früh Reserven anlegen
Weibchenspätermüssen sich erst von Trächtigkeit und Jungenaufzucht erholen
Jungigelzuletztbrauchen am längsten, um genug Gewicht anzufressen

Pro Igel gibt an, dass Männchen etwa einen Monat früher schlafen gehen als Weibchen. Im Frühjahr ist es umgekehrt: Die erwachsenen Männchen erscheinen zuerst, die Jungtiere als Letzte.

Was passiert im Körper eines schlafenden Igels?

Der Winterschlaf hat mit normalem Schlaf wenig zu tun. Der Igel fährt seinen Stoffwechsel so weit herunter, dass er Monate ohne Nahrung überstehen kann. Pro Igel und die Bundestierärztekammer nennen dazu diese Werte:

  • Körpertemperatur: sinkt von etwa 35 °C auf bis zu 5 °C.
  • Herzschlag: statt rund 200 nur noch 2 bis 12 Schläge pro Minute.
  • Atmung: von etwa 50 auf rund 13 Atemzüge pro Minute.
  • Gewicht: Der Igel verliert täglich etwa 1 bis 2 Gramm, bis zum Frühjahr insgesamt rund 20 bis 40 Prozent.

Ein schlafender Igel wirkt dadurch fast leblos. Findest Du zufällig einen, ist das kein Grund zur Sorge, solange er sich in einem geschützten Nest befindet.

Schläft der Igel den ganzen Winter durch?

Nein. Laut Igelzentrum ist zwischenzeitliches Aufwachen normal. Meist bleibt der Igel dabei im Nest und wird gar nicht bemerkt. Manche Tiere wechseln bei milder Witterung auch das Quartier. Jedes Aufwachen kostet allerdings viel Energie, denn der Körper muss sich wieder auf Betriebstemperatur bringen. Störungen von außen solltest Du deshalb unbedingt vermeiden.

Wie schwer muss ein Igel für den Winterschlaf sein?

Entscheidend ist das Fettpolster. Das Igelzentrum nennt für Jungigel im November mindestens 500 Gramm, der BUND Wesel spricht von mindestens 600 Gramm. Die Werte unterscheiden sich je nach Quelle, sie sind eine Orientierung und keine starre Grenze.

Ein Jungigel, der im Spätherbst deutlich leichter ist, tagsüber umherläuft oder krank wirkt, braucht fachkundige Hilfe. Wende Dich in diesem Fall an eine Igelstation oder an eine Tierarztpraxis, statt ihn selbst aufzunehmen oder zu behandeln. Ob und wann Zufutter sinnvoll ist, erklären wir in unserem Ratgeber zum Igelfüttern.

Wo verbringt der Igel den Winter?

Igel bauen sich ein kugelförmiges Nest aus Laub, trockenem Gras und Moos. Typische Plätze im Garten:

  • unter dichten Hecken und Sträuchern
  • in Laub- und Reisighaufen
  • in Totholzhecken und Holzstapeln
  • unter Gartenhütten oder Terrassen
  • in einem Igelhaus, das gut mit Laub abgedeckt ist

Wichtig ist ein trockener, frostgeschützter und ruhiger Platz.

So schützt Du den Igel im Garten

Was Du tun kannst

  • Verstecke anbieten: Lass in einer ruhigen Ecke einen Haufen aus Laub und Reisig liegen. Wie Du Laub sinnvoll im Garten nutzt, liest Du in unserem Beitrag zum Thema Laub liegen lassen.
  • Material bereitstellen: Etwas Laub in der Nähe von Hecken hilft dem Igel beim Nestbau.
  • Gefahrenstellen sichern: Deck Kellerschächte und Lichtschächte ab und gib Teichen eine flache Ausstiegshilfe.
  • Zäune durchlässig machen: Eine kleine Öffnung von etwa einer Handbreite unten im Zaun lässt Igel zwischen den Gärten wandern.

Was Du lassen solltest

  • Laub- und Reisighaufen umsetzen: Zwischen Herbst und Frühjahr bleiben sie, wo sie sind.
  • Laubsauger und Häcksler in Hecken und Laubhaufen einsetzen: Sie können versteckte Tiere verletzen.
  • Reisig verbrennen, ohne nachzusehen: Ein Haufen, der lange gelegen hat, wird gern bewohnt. Schichte ihn vor dem Anzünden um oder verzichte auf das Feuer.
  • Kompost im Winter umsetzen: Auch hier schlafen manchmal Igel.
  • Nachschauen: Öffne kein Igelhaus und kein Nest, um zu prüfen, ob jemand darin wohnt.

Was tun, wenn Du einen schlafenden Igel freigelegt hast?

Es passiert schnell: Beim Aufräumen liegt plötzlich ein eingerollter Igel im Laub. Leg das Nest möglichst behutsam genau so wieder über ihn, wie es war, und deck es zusätzlich mit Laub ab. Nimm ihn nicht mit ins Haus, denn Wärme kann ihn aufwecken und Energie kosten. Ist das Nest zerstört oder wirkt der Igel verletzt, ruf eine Igelstation an und hol Dir dort Rat.

Häufige Fragen zum Igel im Winter

Ist ein Igel, der im Dezember tagsüber unterwegs ist, in Not?

Sehr wahrscheinlich. Ein Igel, der im Winter am Tag umherläuft, ist oft zu leicht, krank oder wurde aus seinem Nest vertrieben. Kontaktiere eine Igelstation oder einen Tierarzt.

Wann wacht der Igel endgültig auf?

Meist ab Ende März, wenn es dauerhaft milder wird und wieder Insekten unterwegs sind. Jungtiere erscheinen oft erst einige Wochen nach den Männchen.

Schadet ein milder Winter den Igeln?

Häufige Wechsel zwischen warmen und kalten Phasen können dazu führen, dass Igel öfter aufwachen und dabei Reserven verbrauchen. Umso wichtiger sind ungestörte, gut isolierte Verstecke.

Titelbild: Foto: Fiver, der Hellseher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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