Igel füttern solltest Du nur in Ausnahmefällen, denn gesunde Igel finden ihre Nahrung selbst. Sinnvoll ist Zufutter vor allem im Spätherbst für Jungigel, die für den Winterschlaf noch zu leicht sind, sowie kurz nach dem Aufwachen im Frühjahr oder in langen Trockenperioden. Geeignet sind Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil, ungewürztes Rührei oder durchgebratenes Hackfleisch, dazu eine flache Schale Wasser. Milch, Obst und Brot gehören nicht dazu.
Igelschutz-Organisationen wie Pro Igel, der NABU und der BUND sind sich in einem Punkt einig: Gut gemeintes Füttern kann auch schaden. Futterstellen locken viele Tiere an, begünstigen die Übertragung von Parasiten und Krankheitserregern und ziehen Katzen oder Ratten an. Dieser Ratgeber zeigt Dir, wann Zufutter wirklich hilft, was in die Schale gehört und wann Du wieder aufhörst.
Wichtig vorab: Ein Igel, der tagsüber herumirrt, verletzt ist, schwankt oder apathisch wirkt, braucht keine Futterschale, sondern fachkundige Hilfe. Ruf in diesem Fall eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis an.
Wann Zufüttern sinnvoll ist und wann nicht
Im Spätherbst: auf das Gewicht kommt es an
Ab etwa Mitte Oktober ist das Körpergewicht der entscheidende Hinweis. Der NABU Südost-Niedersachsen nennt folgende Orientierung:
| Gewicht im Spätherbst | Empfehlung |
|---|---|
| unter 300 Gramm | zu leicht für den Garten, Igelstation oder erfahrene Igelbetreuung kontaktieren |
| 300 bis 500 Gramm | Zufutter im Garten kann helfen, das nötige Gewicht zu erreichen |
| über 500 Gramm | kein Zufutter nötig |
Diese Werte sind ein Richtwert, keine starre Grenze. Andere Fachstellen setzen sie etwas höher an: Das Igelzentrum Zürich nennt für den Winterschlaf ein Mindestgewicht von etwa 500 bis 600 Gramm, Pro Igel in der Schweiz 600 Gramm für Jungtiere. Bist Du unsicher, frag bei einer Igelstation in Deiner Nähe nach.
Weitere Ausnahmen
- Nach dem Winterschlaf: Im zeitigen Frühjahr finden Igel oft noch wenig Insekten.
- Bei langer Trockenheit: Wenn der Boden hart ist und kaum Würmer und Käfer zu finden sind.
- Für säugende Weibchen: Sie brauchen im Sommer besonders viel Energie.
Wann Du besser nicht fütterst
- ganzjährig und ohne konkreten Anlass, davon rät der BUND ab
- wenn ein gut genährter Igel regelmäßig vorbeikommt
- wenn sich an der Futterstelle viele Igel, Katzen oder Ratten treffen
Womit Du Igel füttern kannst
Igel sind Insektenfresser. In der Natur fressen sie Käfer, Larven, Raupen, Regenwürmer und Schnecken. Zufutter soll diese Nahrung nicht ersetzen, sondern nur überbrücken.
| Geeignet | Nicht geeignet |
|---|---|
| Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil, ohne Soße oder Gelee | Milch und Milchprodukte |
| ungewürztes Rührei oder hart gekochtes Ei | Obst und Gemüse |
| kurz durchgebratenes Hackfleisch ohne Gewürze, nie roh | Nüsse, Rosinen und Getreide |
| gekochtes, ungewürztes Geflügelfleisch | Brot und Speisereste |
| getrocknete Insekten, nur als kleine Beigabe | viele handelsübliche Igel-Trockenfuttermischungen |
Zum Fleischanteil im Katzenfutter nennen die Organisationen unterschiedliche Mindestwerte, meist zwischen 60 und 70 Prozent. Prüfe deshalb die Zusammensetzung auf der Dose.
Besonders kritisch sehen Fachleute fertige Igelfutter-Mischungen. Pro Igel hält einen Großteil davon für ungeeignet, der BUND bezeichnet sie häufig als nicht artgerecht. Sie enthalten oft Getreide, Obst oder Nüsse, die Igel schlecht verwerten.
Ganz wichtig: keine Milch. Igel vertragen keinen Milchzucker. Milch kann bei ihnen starken Durchfall auslösen, der für die Tiere lebensbedrohlich werden kann. Stell stattdessen immer eine flache Schale mit frischem Wasser hin.
Wie viel und wie Du fütterst
- Zeitpunkt: Igel sind nachtaktiv. Stell das Futter am Abend bereit.
- Menge: Lieber wenig und dafür regelmäßig. Laut Igelzentrum Zürich frisst ein Jungigel von etwa 500 Gramm grob 150 Gramm Nassfutter am Tag. Bleibt morgens regelmäßig etwas übrig, reduzierst Du die Portion.
- Hygiene: Entferne Reste am Morgen und spüle die Schale täglich mit heißem Wasser aus.
- Wasser: Eine flache, standsichere Schale, die Du täglich frisch füllst.
- Ort: Ein geschütztes Futterhaus hält Katzen und Regen fern. Der NABU Baden-Württemberg empfiehlt eine Rattenklappe oder einen labyrinthartigen Eingang, damit Ratten, Katzen und Marder draußen bleiben.
Ein Futterhaus ist übrigens etwas anderes als ein Schlafhaus. Futter gehört nie in das Haus, in dem der Igel schläft oder überwintert. Wie ein Schlafquartier aussieht, beschreibt unsere Bauanleitung für ein Igelhaus.
Wann Du wieder aufhörst
Zufüttern ist immer eine Übergangslösung. Höre auf, wenn
- der Igel ein ausreichendes Gewicht erreicht hat und nicht mehr erscheint,
- im Frühjahr wieder genug natürliche Nahrung vorhanden ist,
- die Temperaturen dauerhaft unter den Gefrierpunkt sinken.
Den letzten Punkt betont der BUND Naturschutz: Bei Frost ziehen sich gesunde Igel zum Winterschlaf zurück und sollten nicht durch Futter aktiv gehalten werden. Der NABU Baden-Württemberg ergänzt, dass es bei einstelligen Nachttemperaturen wenig bringt, einen zu leichten Jungigel noch im Garten aufzupäppeln. Ein solches Tier gehört in eine fachkundige Pflegestelle.
Wann ein Igel Hilfe braucht
Ob ein Igel krank ist, kannst Du als Laie nicht sicher beurteilen. Diese Beobachtungen sind aber ein Grund, sofort eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis anzurufen:
- Der Igel ist tagsüber unterwegs, liegt offen herum oder torkelt.
- Er ist sichtbar verletzt oder wirkt teilnahmslos.
- Er ist im Spätherbst oder bei Frost auffallend klein und mager.
Bitte versuche nicht, ein solches Tier selbst zu behandeln. Fachleute raten außerdem davon ab, einem stark abgemagerten Igel einfach eine große Portion Futter hinzustellen. Kleine Portionen sind dann besser verträglich. Wie viel und was genau Du anbietest, besprichst Du am besten telefonisch mit der Igelstation.
Fragen zum Igelfüttern
Fressen Igel Katzentrockenfutter?
Sie fressen es, als alleinige Nahrung ist es aber nicht ideal. Nassfutter mit hohem Fleischanteil ist die bessere Wahl. Wenn Du Trockenfutter anbietest, dann nur zusätzlich und immer mit Wasser daneben.
Wie verhindere ich, dass Katzen das Igelfutter fressen?
Mit einem Futterhaus, dessen Eingang so klein und verwinkelt ist, dass nur der Igel hineinpasst. Eine Pendelklappe am Eingang hält zusätzlich Ratten fern.
Muss ich dauerhaft weiter füttern, sobald ich damit begonnen habe?
Nein. Ein gesunder Igel ist nicht von Dir abhängig und sucht weiter selbst nach Nahrung. Plötzlich aufzuhören ist im Herbst nur dann ungünstig, wenn ein Jungigel noch zu leicht ist. Dann sprich die nächsten Schritte mit einer Igelstation ab.
Titelbild: Foto: ZngZng, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
