Wildbiene an einer selbst gebauten Nisthilfe aus Hartholz

Insektenhotel selber bauen: Anleitung mit Materialliste

Ein Insektenhotel selber bauen gelingt mit wenig Material: ein Holzrahmen mit Rückwand und überstehendem Dach, gefüllt mit abgelagertem Hartholz, in das Du Gänge von etwa 2 bis 9 Millimetern bohrst, sowie mit hohlen Pflanzenstängeln, die hinten verschlossen sind. Entscheidend sind glatte Bohrungen ohne Risse, ein sonniger, regengeschützter Platz und der Verzicht auf nutzlose Füllungen wie Zapfen oder Holzwolle.

Die meisten Bewohner eines solchen Nistkastens für Insekten sind Wildbienen, die in hohlen Gängen ihre Brutzellen anlegen. Mit der folgenden Anleitung baust Du eine Nisthilfe, die tatsächlich besiedelt wird.

Was ein Insektenhotel leisten kann und was nicht

Eine gut gebaute Nisthilfe bietet hohlraumbewohnenden Wildbienen und einigen Wespenarten eine Kinderstube. Ein großer Teil der heimischen Wildbienenarten nistet allerdings im Boden und braucht offene, sonnige Erdstellen statt Bohrlöchern. Ein Insektenhotel ist deshalb ein Baustein, kein Ersatz für einen naturnahen Garten mit heimischen Blühpflanzen.

Der Begriff „Hotel“ führt übrigens in die Irre. Der NABU Mecklenburg-Vorpommern weist darauf hin, dass die Tiere wegen ihrer langen Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt ein bis zwei Jahre in der Nisthilfe verbringen.

Materialliste

MaterialMenge und Hinweis
Unbehandelte Bretter, etwa 2 cm starkfür Rahmen, Rückwand und Dach
Hartholzblöcke aus Esche, Eiche, Buche oder Obstholzgut abgelagert, entrindet
Schilf- oder Bambusrohremit Innendurchmessern von etwa 3 bis 9 mm
HolzschraubenSchrauben statt Nägel halten besser
Dachpappe oder Blechals zusätzlicher Regenschutz
Drahtgeflecht mit größerer Maschenweitegegen Vögel, mit Abstand zur Front
Feines Schleifpapierzum Glätten der Eingänge

Werkzeug: Säge, Akkuschrauber oder Bohrmaschine, Holzbohrer in mehreren Stärken von 2 bis 9 mm, Feile, Zollstock.

Schritt für Schritt zum Insektenhotel

1. Den Rahmen bauen

Schraub aus den Brettern einen Kasten mit Rückwand. Der NABU Dötlingen-Wildeshausen empfiehlt eine Innentiefe von mindestens 6 und höchstens 20 Zentimetern. Das Dach sollte deutlich nach vorn überstehen, damit Schlagregen die Füllung nicht erreicht. Eine Auflage aus Dachpappe oder verzinktem Blech schützt zusätzlich.

2. Hartholz bohren

Das ist das Herzstück. Beachte dabei:

  • Ins Längsholz bohren: Bohre quer zur Faser, also dort, wo früher die Rinde war, und nicht ins Stirnholz mit den Jahresringen. So reißt das Holz weniger.
  • Durchmesser mischen: Bohrungen von 2 bis 9 mm, wobei mittlere Weiten von etwa 3 bis 6 mm überwiegen sollten.
  • Tiefe: Als Faustregel gilt Durchmesser in Millimetern gleich Tiefe in Zentimetern. Bohre nie ganz durch, die Gänge müssen hinten geschlossen sein.
  • Abstand: Lass zwischen den Löchern ein bis zwei Zentimeter Holz stehen, bei Buche lieber mehr.
  • Glätten: Beweg den Bohrer mehrmals vor und zurück, schleif die Eingänge glatt und klopf das Bohrmehl heraus. Splitter können die Flügel verletzen.

Nadelholz eignet sich nicht. Seine Fasern richten sich bei Feuchtigkeit wieder auf und verengen die Gänge.

3. Stängel vorbereiten

Schneide Schilf- oder Bambusrohre so, dass sie hinten durch einen Knoten verschlossen sind. Die vordere Öffnung muss sauber und ohne Fransen sein. Leg die Röhrchen dicht gepackt in einen Teil des Rahmens, damit sie nicht herausrutschen.

4. Füllen und sichern

Setz die Hartholzblöcke und die Röhrchen fest in den Rahmen. Nichts darf wackeln. Ein Drahtgeflecht, das einige Zentimeter vor der Front sitzt, hält Spechte und Meisen fern, ohne den Anflug der Insekten zu behindern.

Was nicht ins Insektenhotel gehört

Viele gekaufte Insektenhotels enthalten Füllungen, die kaum ein Insekt nutzt. Naturschutzgruppen raten ausdrücklich davon ab:

  • Tannen- und Kiefernzapfen, Holzwolle, Stroh, Holzschnitzel: werden von nistenden Wildbienen nicht angenommen.
  • Lochziegel und Hohlziegel aus dem Hausbau: Die Öffnungen sind zu groß und haben keine Rückwand.
  • Glas- oder Plexiglasröhrchen: Darin kann die Brut verpilzen, weil Feuchtigkeit nicht entweicht.
  • Frisches Holz: Es reißt beim Trocknen, und Bienen meiden Gänge mit Rissen.
  • Porenbeton: Der NABU Mecklenburg-Vorpommern nennt ihn als ungeeignet.

Welche Füllungen sich bewähren, vertieft unser Ratgeber zur Insektenhotel-Füllung.

Aufhängen und pflegen

Bring die Nisthilfe fest an einer sonnigen Stelle an, ausgerichtet nach Süden oder Südosten, geschützt vor Regen und Wind. Sie soll nicht frei baumeln und nicht in Bodennähe stehen, wo Pflanzen sie beschatten und Feuchtigkeit aufsteigt. Die Einzelheiten zum Standort erklären wir in einem eigenen Ratgeber.

Lass das Insektenhotel ganzjährig am selben Platz, auch im Winter, denn darin entwickelt sich die nächste Generation. Im zeitigen Frühjahr kannst Du prüfen, wie viele Gänge noch offen sind, und bei Bedarf neue Hölzer ergänzen.

Wichtig ist auch das Umfeld: Ohne Blüten in der Nähe finden die Insekten kein Futter. Heimische Wildpflanzen in Flugweite machen aus einer Nisthilfe erst einen Lebensraum.

Fragen zum Insektenhotel-Bau

Wann baust Du ein Insektenhotel am besten?

Der Herbst und der Winter eignen sich gut. Hängt die Nisthilfe im zeitigen Frühjahr, steht sie bereit, wenn die ersten Wildbienen schlüpfen.

Darf ich das Insektenhotel anstreichen?

Wenn überhaupt, dann nur die Außenseite mit Leinöl oder einer umweltfreundlichen Farbe. Die Bohrungen und Röhrchen bleiben unbehandelt.

Warum zieht niemand ein?

Häufige Gründe sind ein schattiger Platz, ausgefranste Bohrungen, rissiges Holz oder fehlende Blüten in der Umgebung. Manchmal dauert es auch einfach eine Saison.

Titelbild: Foto: Amphis, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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